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Sonntag, 6. September 2015

Hain und Garten

Hain- und Gartenbänderschnecke im Vergleich
Unter dem Wort "Hain" versteht man eine Gruppierung von Bäumen, die ein kleines Wäldchen ergeben. Eine schöne Bezeichnung für den hinteren Teil unseres Gartens, der im Schatten der alten Bäume liegt. Dort ist es dunkler als im vorderen Gartenteil und diese Tatsache ist die perfekte Eselsbrücke, um die Hain- und Garten-Bänderschnecken voneinander zu unterscheiden: Der Mündungssaum (Rand der Gehäuseöffnung) der Hain-Bänderschnecke ist nämlich dunkel, bei der Garten-Bänderschnecke ist er hell. Es ist das einzig zuverlässige Bestimmungsmerkmal, da Anzahl und Erscheinung der Streifen (Bänderung) ebenso variabel sind wie die Färbung der Gehäuse oder der Schnecken selbst (Quelle). Um den Unterschied hervorzuheben nennt man die Hain-Bänderschnecke auch Schwarzmündige Bänderschnecke und die Garten-Bänderschnecke Weißmündige Bänderschnecke. Beide gehören zur Familie der Schnirkelschnecken.

Hain-Bänderschnecke an Roter Johannisbeere
Ein wichtiger Baustoff der Schneckenhäuser ist Kalk. Er wird benötigt, um das Gehäuse stabil zu halten und Verletzungen zu reparieren. Aufgenommen wird der Nährstoff normalerweise über kalkhaltige Böden und Gesteine, doch unsere Gartenerde ist kalkarm. Infolgedessen findet man hier kaum eine Schnecke mit intaktem Haus. Ihre Rückzugsmöglichkeit wird brüchig und instabil. Der Kalkmangel treibt manche Tiere sogar dazu ihr eigenes Haus anzufressen. (Quelle)

Zwei Hain-Bänderschnecken im Rhododendron
Lebensweise

Von März bis Oktober sind die Bänderschnecken nachtaktive Tiere. Am Tag ruhen sie in Büschen und Sträuchern zum Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden. Dabei sucht die Garten-Bänderschnecke häufiger den Wald und die Hain-Bänderschnecke lieber den Garten auf, was im Hinblick auf ihre Bezeichnungen irreführend ist. Zwischen November und Februar begeben sie sich in Kältestarre und leben von ihren Reserven (Quelle). Da diese knapp bemessen sind, sollte man die Gehäuseschnecken bis März keinesfalls stören, sonst riskiert man ihren Tod. Wenn sie nicht verhungern oder selbst zur Nahrung werden, können Garten-Bänderschnecken bis zu 5 Jahre alt werden. Hain-Bänderschnecken schaffen sogar 8 Jahre (Quelle). Die Eiablage findet im Frühjahr oder Sommer statt. Grundsätzlich können es bis zu 80 Eier pro Jahr und Tier werden. Allerdings nimmt die Population auf sauren Böden ab (Quelle), denn auch für die Produktion der Eier wird Kalk benötigt. Drei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Jungtiere und haben zum Aufbau ihres Gehäuses ebenfalls einen hohen Kalkbedarf. Mit dem Auslegen von abgekochten Eierschalen werde ich versuchen, die Schnirkelschnecken zu unterstützen. Eigentlich ist ein schattiger Garten mit schwerem, lehmhaltigen Boden und großzügigem Dickicht nämlich ein traumhaftes Habitat für Schnecken (Quelle). Auch leere Gehäuse verbleiben im Garten, da sie ebenfalls als Kalkquelle dienen können.

Leeres Haus einer kleinen Garten-Bänderschnecke
Die gute Schnecke

Bänderschnecken richten im Garten keinen Schaden an (Quelle), wie es etwa die Spanische Wegschnecke tut. Die Weißmündige Bänderschnecke (cepaea hortensis) grast überwiegend Moos und Algen von Pflanzen und Steinen ab (Quelle), wie den Grünspan von unserer Steinbank. Der Speiseplan der Schwarzmündigen Bänderschnecke (cepaea nemoralis) ist etwas umfangreicher. Außer Algen und Pilzen nimmt sie vor allem verrottetes Pflanzenmaterial zu sich (Quelle). Sehr schön anhand dieses Schnappschusses zu sehen:

Hain-Bänderschnecke auf Stockrosenblatt
Auf den ersten Blick mag es zwar wirken, als ob die Hain-Bänderschnecke sich hier über ein grünes Blatt hergemacht hätte, doch bei genauem Hinsehen erkennt man, wie gezielt sie lediglich die welken Stellen herausgefressen hat. Für ihren seltenen Appetit auf frisches Grün, halten wir immer ein paar Opferpflanzen (Unkraut) im Garten bereit. Da sie auch Aas frisst (Quelle), kann man sie als rundum nützliche Putzkraft bezeichnen, die maßgeblich am Abbau organischer Substanz beteiligt ist.
Beide Bänderschnecken sind ein wichtiger Bestandteil eines intakten Gartenökosystems (Quelle). Auf der einen Seite beschert uns ihr wertvoller Humus nahrhaften Gartenboden, auf der anderen Seite sind sie selbst wertvolle Nahrung. Neben Erdkröten, Igeln und Spitzmäusen brauchen vor allem Singvögel die Schneckenhäuser als Kalziumquelle für ihre Eierschalen und Knochen. Ein Rückgang der Gehäuseschnecken hätte somit auch negative Auswirkungen auf den Bruterfolg (Quelle).

Ein gesunder Garten braucht Schnecken. Solange Flora und Fauna im Gleichgewicht sind, ist es ein Geben und Nehmen, ein Fressen und Gefressen werden, mit Sinn und Zweck, in das der Mensch nicht eingreifen sollte.

Quellen

Mittwoch, 15. April 2015

Weniger Blüten im Schatten

Unsere Japanische Blütenkirsche ist verstorben. Mitte April trägt der Baum weder Blatt noch Blüte. Auch die Blütenskimmien sind nicht mehr so üppig bestückt, wie am Tag ihrer Einpflanzung vor einem Jahr:

Skimmie im März 2014
Obwohl die Pflanze "in ihrer Heimat im Schatten und Unterholz dichter Gebirgswälder gedeiht" (Quelle), zeigt sich deutlich, dass das Rautengewächs das Sonnenlicht vorzieht. Nach 12 Monaten im Schatten hat es nicht nur an Fülle verloren, auch die Knospen entwickelten sich fast ausschließlich auf der Seite, die noch Licht bekommt (rechts):
 
Skimmie im März 2015
Am schlimmsten hat es die größte Skimmie erwischt. Das ehrfürchtig als "Big Skimmy" getaufte Gehölz machte bei seinem Einzug in unseren Garten eine stattliche Figur! Einzig ein paar gelbliche Blätter versetzten mich damals in Sorge: 

Große Skimmie im März 2014
Gelb sind die Blätter inzwischen nicht mehr. Dafür sind es weitaus weniger geworden. Gleiches gilt für die Anzahl der Knospen. Zugenommen hat nur meine Sorge.

Große Skimmie im März 2015
Der Anblick macht mich jedes Mal furchtbar traurig. Trost finde ich allein in der Tatsache, dass die Pflanzen von ihrem Vorbesitzer vernichtet worden wären, hätten wir uns nicht ihrer angenommen.
Durch die Umsetzung änderten sich für die immergrünen Gewächse nicht nur Licht- und Bodenverhältnisse, auch sahen sie sich plötzlich mit Fressfeinden konfrontiert: Gierige Schnecken machen sich über junge Blatttriebe her und hinterlassen unschönen Lochfraß, der gleichwohl die gesunde Optik vereitelt.

Die einzige Pflanze, die - in direkter Nachbarschaft zu den Skimmien - jedes Jahr üppiger blüht, ist die Christrose. Ihr macht der Schatten tatsächlich nichts aus und auch der Lehmboden ist nach ihrem Geschmack.

Christrose im April

Dienstag, 22. Juli 2014

Auf Nachtschneckenpirsch

Nachdem wir vor einer Woche in der Dämmerung 70 Nacktschnecken aus unserem Garten aufgesammelt hatten, habe ich mir am Folgetag einen Handzähler zugelegt. So zweifeln wir am Ende einer Jagd nicht mehr an unseren Zählkünsten. Die Summe von 70 Stück kam uns nämlich so riesig vor, dass wir es kaum glauben konnten. Am Donnerstag toppten wir unseren Rekord mit weiteren 71 Stück/Tag. Bereits am Freitag hatten wir dadurch einen Gesamtstand von 200 Stück erreicht.

Am gestrigen Montag änderten wir unsere Routine und rückten im Stockdunklen mit Taschenlampen aus. Der Aufwand wurde belohnt: Unfassbare 297 Nacktschnecken landeten vor Ablauf des Tages in unserem Sammelbehälter! Mehr als an allen bisherigen Tagen zusammen. Die zuvor noch als so unglaublich angesehenen 70 Stück waren bei Nacht innerhalb von 20 Minuten beisammen. Die Endsumme nach nur 8 Tagen liegt damit bei 511 Nacktschnecken.


Und heute Nacht rücken wir wieder aus!

Montag, 14. Juli 2014

Auf Nacktschneckenpirsch

Gegen Abend kriechen die Nacktschnecken aus ihrem Unterschlupf. Wenn es regnet (und danach) sind sie besonders aktiv. So bot der heutige Abend hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jagd. Wie erfolgreich diese sein würde, erstaunte uns am Ende selbst.

Die Spanische Wegschnecke steht ganz oben auf unserer Hit List. Als Kannibalin fällt sie auch über tote Artgenossen her. Daher sammeln wir sie in einem verschließbaren Gefäß und entsorgen dieses im Restmüll, sobald es voll ist. Früher haben wir die Schnecken zuvor noch zerschnitten, aber das kostete nicht nur Überwindung, sondern auch Zeit und das Schneckengefäß sollte nur kurz geöffnet bleiben, denn der Gestank der Zersetzung ist unangenehm. Ja, die Nacktschnecken sehen mitunter nicht nur aus wie Hundekot, sie können auch so riechen.


Spanische Wegschnecke
Spanische Wegschnecke
Bis wir mit dem gezielten Absammeln der Plage begannen, war uns das Ausmaß ihres Vorkommens nicht wirklich bewusst. Allein heute brachten wir es innerhalb von einer Stunde auf 70 Stück! Das Mitzählen motiviert bei der Nacktschneckenpirsch. Sobald man die ersten sechs gefangen hat, will man die 10 voll machen. Finden sich dann noch 7 weitere fragt man sich, ob es wohl 20 werden können. Und schon hat man seinen eigenen Wettbewerb geschaffen. Die täglichen High Scores können nie enttäuschen: Entweder freut sich das Spielerherz darüber, den letzten Höchststand getoppt zu haben, oder der Gärtner nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass die Plage abnimmt.

Ausrotten werden wir die Spanischen Wegschnecke dadurch nicht, aber zweifelsfrei verhindern wir zukünftige Eiablagen und weitere Schäden. Und das ist definitiv mehr, als ohne Nacktschneckenpirsch.

Dienstag, 20. August 2013

Das nackte Grauen

Spanische Wegschnecke frisst Apfel
Spanische Wegschnecke
Regenwürmer, Ohrwürmer, Kellerasseln, Spinnen, ja selbst Raupen und Gehäuseschnecken haben ihre Daseinsberechtigung in unserem Garten. Nur bei Nacktschnecken, da stößt unsere Liebe zur Fauna an ihre Grenzen. Zumindest bei drei Arten:
Die eingeschleppte Spanische Wegschnecke ist die gefräßigste von allen. Lange Zeit tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass sie zum Speiseplan unserer Igel gehören könnte, bis ich in einem Igelbuch las, dass die Spanische Wegschnecke keine kulinarische Köstlichkeit ist. Nicht mal für Igel. Ihr Schleim ist zu bitter und damit fehlt es ihr im Garten an natürlichen Fressfeinden. Das führt dazu, dass der paarungsfreudige Nackedei inzwischen die häufigsten Nacktschecke in Deutschland ist (Quelle). Als invasive Art stellt sie damit eine ernste Bedrohung für das Gleichgewicht unseres Ökosystems da.

Leider stehen uns zur Bekämpfung der Plage weder Indische Laufenten noch Blindschleichen (Quelle) zur Verfügung. Wir setzen stattdessen auf das Ab- bzw. Einsammeln der Schnecken. Innerhalb einer pfandfreien Plastikflasche landen sie später im Restmüll. Das Zerteilen mit Spaten oder Schere kostete uns zu viel Überwindung und Nerven, denn man darf die Überreste keinesfalls im Garten liegen lassen: Tote Schnecken ziehen lebende Artgenossen an! Daher muss man auch die Kadaver der Aasfresser in einem verschlossenen Plastikbeutel im Restmüll entsorgen. (Quelle)

Nicht jede Nacktschnecke ist eine Schadschnecke! 

Der Tigerschnegel zum Beispiel ist unser Freund. Nicht nur weil er die Eier der Spanischen Wegschnecke frisst.

Junger Tigerschnegel
Älterer Tigerschnegel
Wir lassen ihn in unserem Kompostbehälter wohnen, wo er bei der Zersetzung des pflanzlichen Abfalls hilft und sich von frischem Grün größtenteils fernhält. Anders sieht das bei der Genetzten Ackerschnecke (Deroceras reticulatum) aus, die mitunter ähnlich gefleckt ist wie ein junger Tigerschnegel. Hier hilft die Größe bei der Unterscheidung: Im Gegensatz zum bis zu 13 cm langen Schnegel, wird die Ackerschnecke nur 6 cm groß.

Ackerschnecke
Die Ackerschnecke wird auch als Kleinschnegel bezeichnet. Schnegel (Limacidae) unterscheiden sich von Wegschnecken (Arionidae) durch die Position ihres Atemlochs und durch einen Kiel am Rücken, bzw. Fuß, wie man das Ende der Nacktschnecke nennt (Beispielzeichnung). Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit bei ausgewachsenen Nacktschnecken, ist ihr Verhalten bei Gefahr. Berührt man die Wegschnecken, rollen sie sich ein (Quelle). Bei Schnegeln und Ackerschnecken führt das Einziehen höchstens zu einem Buckel.

Tigerschnegel in Schutzhaltung
Nahezu unmöglich ist es für den Laien, die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) von der Roten Wegschnecke (Arion rufus) zu unterscheiden (siehe Fotos und Text). Zwar sind beides Schadschnecken, aber die einheimische Rote Wegschnecke wird durch die Einwanderin zunehmend verdrängt (Quelle). In Bayern ist sie bereits vom Aussterben bedroht (Quelle). Als Jungtiere bieten die Wegschnecken mehr Anhaltspunkte für eine Bestimmung. So ist die Roten Wegschnecke am Anfang ihres Lebens hell-gelblich mit dunklem Kopf und die Spanische Wegschnecke bunt gebändert (siehe Bilder).