Dienstag, 20. August 2013

Das nackte Grauen

Spanische Wegschnecke frisst Apfel
Spanische Wegschnecke
Regenwürmer, Ohrwürmer, Kellerasseln, Spinnen, ja selbst Raupen und Gehäuseschnecken haben ihre Daseinsberechtigung in unserem Garten. Nur bei Nacktschnecken, da stößt unsere Liebe zur Fauna an ihre Grenzen. Zumindest bei drei Arten:
Die eingeschleppte Spanische Wegschnecke ist die gefräßigste von allen. Lange Zeit tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass sie zum Speiseplan unserer Igel gehören könnte, bis ich in einem Igelbuch las, dass die Spanische Wegschnecke keine kulinarische Köstlichkeit ist. Nicht mal für Igel. Ihr Schleim ist zu bitter und damit fehlt es ihr im Garten an natürlichen Fressfeinden. Das führt dazu, dass der paarungsfreudige Nackedei inzwischen die häufigsten Nacktschecke in Deutschland ist (Quelle). Als invasive Art stellt sie damit eine ernste Bedrohung für das Gleichgewicht unseres Ökosystems da.

Leider stehen uns zur Bekämpfung der Plage weder Indische Laufenten noch Blindschleichen (Quelle) zur Verfügung. Wir setzen stattdessen auf das Ab- bzw. Einsammeln der Schnecken. Innerhalb einer pfandfreien Plastikflasche landen sie später im Restmüll. Das Zerteilen mit Spaten oder Schere kostete uns zu viel Überwindung und Nerven, denn man darf die Überreste keinesfalls im Garten liegen lassen: Tote Schnecken ziehen lebende Artgenossen an! Daher muss man auch die Kadaver der Aasfresser in einem verschlossenen Plastikbeutel im Restmüll entsorgen. (Quelle)

Nicht jede Nacktschnecke ist eine Schadschnecke! 

Der Tigerschnegel zum Beispiel ist unser Freund. Nicht nur weil er die Eier der Spanischen Wegschnecke frisst.

Junger Tigerschnegel
Älterer Tigerschnegel
Wir lassen ihn in unserem Kompostbehälter wohnen, wo er bei der Zersetzung des pflanzlichen Abfalls hilft und sich von frischem Grün größtenteils fernhält. Anders sieht das bei der Genetzten Ackerschnecke (Deroceras reticulatum) aus, die mitunter ähnlich gefleckt ist wie ein junger Tigerschnegel. Hier hilft die Größe bei der Unterscheidung: Im Gegensatz zum bis zu 13 cm langen Schnegel, wird die Ackerschnecke nur 6 cm groß.

Ackerschnecke
Die Ackerschnecke wird auch als Kleinschnegel bezeichnet. Schnegel (Limacidae) unterscheiden sich von Wegschnecken (Arionidae) durch die Position ihres Atemlochs und durch einen Kiel am Rücken, bzw. Fuß, wie man das Ende der Nacktschnecke nennt (Beispielzeichnung). Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit bei ausgewachsenen Nacktschnecken, ist ihr Verhalten bei Gefahr. Berührt man die Wegschnecken, rollen sie sich ein (Quelle). Bei Schnegeln und Ackerschnecken führt das Einziehen höchstens zu einem Buckel.

Tigerschnegel in Schutzhaltung
Nahezu unmöglich ist es für den Laien, die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) von der Roten Wegschnecke (Arion rufus) zu unterscheiden (siehe Fotos und Text). Zwar sind beides Schadschnecken, aber die einheimische Rote Wegschnecke wird durch die Einwanderin zunehmend verdrängt (Quelle). In Bayern ist sie bereits vom Aussterben bedroht (Quelle). Als Jungtiere bieten die Wegschnecken mehr Anhaltspunkte für eine Bestimmung. So ist die Roten Wegschnecke am Anfang ihres Lebens hell-gelblich mit dunklem Kopf und die Spanische Wegschnecke bunt gebändert (siehe Bilder).

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