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Montag, 14. Juli 2014

Auf Nacktschneckenpirsch

Gegen Abend kriechen die Nacktschnecken aus ihrem Unterschlupf. Wenn es regnet (und danach) sind sie besonders aktiv. So bot der heutige Abend hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jagd. Wie erfolgreich diese sein würde, erstaunte uns am Ende selbst.

Die Spanische Wegschnecke steht ganz oben auf unserer Hit List. Als Kannibalin fällt sie auch über tote Artgenossen her. Daher sammeln wir sie in einem verschließbaren Gefäß und entsorgen dieses im Restmüll, sobald es voll ist. Früher haben wir die Schnecken zuvor noch zerschnitten, aber das kostete nicht nur Überwindung, sondern auch Zeit und das Schneckengefäß sollte nur kurz geöffnet bleiben, denn der Gestank der Zersetzung ist unangenehm. Ja, die Nacktschnecken sehen mitunter nicht nur aus wie Hundekot, sie können auch so riechen.


Spanische Wegschnecke
Spanische Wegschnecke
Bis wir mit dem gezielten Absammeln der Plage begannen, war uns das Ausmaß ihres Vorkommens nicht wirklich bewusst. Allein heute brachten wir es innerhalb von einer Stunde auf 70 Stück! Das Mitzählen motiviert bei der Nacktschneckenpirsch. Sobald man die ersten sechs gefangen hat, will man die 10 voll machen. Finden sich dann noch 7 weitere fragt man sich, ob es wohl 20 werden können. Und schon hat man seinen eigenen Wettbewerb geschaffen. Die täglichen High Scores können nie enttäuschen: Entweder freut sich das Spielerherz darüber, den letzten Höchststand getoppt zu haben, oder der Gärtner nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass die Plage abnimmt.

Ausrotten werden wir die Spanischen Wegschnecke dadurch nicht, aber zweifelsfrei verhindern wir zukünftige Eiablagen und weitere Schäden. Und das ist definitiv mehr, als ohne Nacktschneckenpirsch.

Dienstag, 20. August 2013

Das nackte Grauen

Spanische Wegschnecke frisst Apfel
Spanische Wegschnecke
Regenwürmer, Ohrwürmer, Kellerasseln, Spinnen, ja selbst Raupen und Gehäuseschnecken haben ihre Daseinsberechtigung in unserem Garten. Nur bei Nacktschnecken, da stößt unsere Liebe zur Fauna an ihre Grenzen. Zumindest bei drei Arten:
Die eingeschleppte Spanische Wegschnecke ist die gefräßigste von allen. Lange Zeit tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass sie zum Speiseplan unserer Igel gehören könnte, bis ich in einem Igelbuch las, dass die Spanische Wegschnecke keine kulinarische Köstlichkeit ist. Nicht mal für Igel. Ihr Schleim ist zu bitter und damit fehlt es ihr im Garten an natürlichen Fressfeinden. Das führt dazu, dass der paarungsfreudige Nackedei inzwischen die häufigsten Nacktschecke in Deutschland ist (Quelle). Als invasive Art stellt sie damit eine ernste Bedrohung für das Gleichgewicht unseres Ökosystems da.

Leider stehen uns zur Bekämpfung der Plage weder Indische Laufenten noch Blindschleichen (Quelle) zur Verfügung. Wir setzen stattdessen auf das Ab- bzw. Einsammeln der Schnecken. Innerhalb einer pfandfreien Plastikflasche landen sie später im Restmüll. Das Zerteilen mit Spaten oder Schere kostete uns zu viel Überwindung und Nerven, denn man darf die Überreste keinesfalls im Garten liegen lassen: Tote Schnecken ziehen lebende Artgenossen an! Daher muss man auch die Kadaver der Aasfresser in einem verschlossenen Plastikbeutel im Restmüll entsorgen. (Quelle)

Nicht jede Nacktschnecke ist eine Schadschnecke! 

Der Tigerschnegel zum Beispiel ist unser Freund. Nicht nur weil er die Eier der Spanischen Wegschnecke frisst.

Junger Tigerschnegel
Älterer Tigerschnegel
Wir lassen ihn in unserem Kompostbehälter wohnen, wo er bei der Zersetzung des pflanzlichen Abfalls hilft und sich von frischem Grün größtenteils fernhält. Anders sieht das bei der Genetzten Ackerschnecke (Deroceras reticulatum) aus, die mitunter ähnlich gefleckt ist wie ein junger Tigerschnegel. Hier hilft die Größe bei der Unterscheidung: Im Gegensatz zum bis zu 13 cm langen Schnegel, wird die Ackerschnecke nur 6 cm groß.

Ackerschnecke
Die Ackerschnecke wird auch als Kleinschnegel bezeichnet. Schnegel (Limacidae) unterscheiden sich von Wegschnecken (Arionidae) durch die Position ihres Atemlochs und durch einen Kiel am Rücken, bzw. Fuß, wie man das Ende der Nacktschnecke nennt (Beispielzeichnung). Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit bei ausgewachsenen Nacktschnecken, ist ihr Verhalten bei Gefahr. Berührt man die Wegschnecken, rollen sie sich ein (Quelle). Bei Schnegeln und Ackerschnecken führt das Einziehen höchstens zu einem Buckel.

Tigerschnegel in Schutzhaltung
Nahezu unmöglich ist es für den Laien, die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) von der Roten Wegschnecke (Arion rufus) zu unterscheiden (siehe Fotos und Text). Zwar sind beides Schadschnecken, aber die einheimische Rote Wegschnecke wird durch die Einwanderin zunehmend verdrängt (Quelle). In Bayern ist sie bereits vom Aussterben bedroht (Quelle). Als Jungtiere bieten die Wegschnecken mehr Anhaltspunkte für eine Bestimmung. So ist die Roten Wegschnecke am Anfang ihres Lebens hell-gelblich mit dunklem Kopf und die Spanische Wegschnecke bunt gebändert (siehe Bilder).